Neben der Frage „Wieso macht man überhaupt Auslandstierschutz während deutsche Tierheime überquellen?“ – und neuerdings natürlich „Wie kann man mit jemandem wie Kollegah gemeinsame Sache machen?“ – ist eine der häufigsten Fragen, mit denen wir konfrontiert werden:

„Wie kann man nur Tiere über eBay Kleinanzeigen verkaufen?!“

Zunächst einmal: Wir verkaufen keine Tiere, wir vermitteln sie, d.h. wir suchen Adoptanten, die einem Tierschutztier ein neues Zuhause geben wollen. Dafür müssen wir sehr viele Menschen erreichen, um die Chance auf ein solches Zuhause für das einzelne Tier zu erhöhen.

eBay ist nicht nur die weltweit größte Plattform für Auktionen, sondern hierzulande auch die Nummer 1 für Kleinanzeigen. Das sind die Annoncen, die in der Vor-Internet-Zeit in dicken Zeitschriften publiziert wurden. Jede/r, der/die etwas sucht, sucht zuallererst bei eBay Kleinanzeigen. Und wer etwas verkaufen/tauschen oder verschenken will, inseriert logischerweise auch zuerst dort, wo die meisten Interessierten danach suchen.

Dies tun jedoch nicht nur die ehrlichen Menschen, sondern auch die Skrupellosen, die Unseriösen, die mit gestohlener Ware oder – um zum Thema zu kommen – leidvoll gezüchteten Tieren oder illegal eingeführten Tieren ihren Profit machen wollen. Grund genug, solchen Individuen die Plattform zu entziehen. Also votierten Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten jahrelang für ein Verbot des Internettierhandels. Aber was wären die Konsequenzen?

  • Kleine, aber sauber arbeitende Organisationen, die kein eigenes Tierheim aufweisen können, dürften über eine solche Plattform keine Adoptanten für ihre Tiere mehr suchen. Eine Situation, wie sie seit 2017 in Österreich besteht und den dortigen Tierschützern das Leben schwer und die Arbeit unmöglich macht.
  • Illegale Züchter, Vermehrer und zwielichtige Kofferraum-Händler finden andere, weniger gut zu kontrollierende Plattformen, Chaträume oder Social Media Gruppen, um die Nachfrage der europäischen Tierfreunde zu befriedigen.
  • Die „freigewordenen“ Anzeigenplätze werden von Strohmännern/-frauen der ausländischen Puppy-Mills eingenommen, die nun dort als Privatpersonen die Qualzuchten aus osteuropäischen Kellern anbieten.

Glücklicherweise sind inzwischen selbst viele Tierschutzorganisationen hierzulande wieder von ihrer Verbotsforderung abgekommen, da sie selbst (oder ihre Partner) Plattformen wie eBay Kleinanzeigen nutzen. Den meisten geht es heute um weitreichende Beschränkungen.

Dabei sind die meisten Alternativen bereits ohnehin beschränkt. Natürlich haben wir über die Jahre jede bestehende oder neu aufkommende alternative Publikationsplattform betrachtet und getestet, neben den ohnehin zu beschickenden Social-Media-Kanälen (ganz oben und ganz unten auf unserer Seite) haben wir TASSO’s Shelta, die Tierheimhelden, Deine Tierwelt, Markt und zig andere Portale ausprobiert. Aber nicht nur, dass es beliebig aufwändig ist, dort ein Tier nebst allen erforderlichen Daten in die oft wenig userfreundlich gestalteten Masken zu übertragen, auch die Auffindbarkeit, Einbindungsmöglichkeiten und Verortbarkeit ließen oft zu wünschen übrig. Was nutzt es, wenn ein Hund auf einer Pflegestelle in Hamburg ausschließlich einem Publikum in München präsentiert wird? Und wer bearbeitet die Mails und Anrufe für Tiere, die bereits seit Monaten ein Für-Immer-Sofa gefunden haben, aber die „Kraken-Portale“ einfach Annoncen auf ihre Plattform kopieren, sie aber nicht löschen, wenn wir unsere Originalanzeige bereits offline genommen haben?

Dabei bitte immer im Hinterkopf behalten, dass auch das Einpflegen der ca. 30 Tiere im Monat von Ehrenamtlern übernommen wird, die neben Beruf und Familie noch einen Freizeitanspruch haben. Wenn dann der Rücklauf aus diesem Zeit-Invest überschaubar bleibt, muss man zwangsläufig die für die Tiere chancenreichste Variante vorziehen. Es versteht sich von selbst, dass trotz einer online erfolgten Kontaktaufnahme unsere standardisierten Vermittlungsprozesse mit Vor- und Nachkontrollen, persönlichen Gesprächen und Familienbesuchen sowie anwaltlich geprüften Schutzverträgen und DSGVO-konformen Aufklärungs- und Einwilligungserklärungen jeder Vermittlung unserer per TRACES gemeldeten Tiere vorausgehen, bevor auch nur eine Notpfote ihre – ebenfalls veterinäramtlich angemeldete und versicherte – Pflegestelle verlässt.

Was tut eBay Kleinanzeigen denn GEGEN den Tierschmutz oder FÜR den Tierschutz?

Nur zur Klarstellung: es geht hier nicht um Whitewashing eines profitorientierten Unternehmens. Aber wenn eine Plattform Geld in die Hand nimmt, um Missstände zu beseitigen, darf man dies sagen und auch würdigen. Und außer eBay Kleinanzeigen ist uns derzeit kein Mitbewerber bekannt, der vergleichbar viel Zeit und Geld in soziale oder gar Tierschutzprojekte steckt.

Seit wir 2017 in Berlin waren, um dort zusammen mit Vier Pfoten, dem LKA, dem IFAW und dem Deutschen Tierschutzbund die Verantwortlichen der Plattform eBay Kleinanzeigen in Sachen Tierschutz zu beraten, hat sich viel getan.

  • Beispielsweise konnte eBay Kleinanzeigen die Anzahl der Tieranzeigen – trotz des allgemein gegenläufigen Trends – um mehr als 30% senken. Dies geschah u. a. durch ein eigens dafür eingesetztes Kontrollteam, das alle Angebote auf mögliche tierschutzrelevante Verstöße prüft und eine Veröffentlichung ggf. ablehnt bzw. geschaltete Anzeigen löscht.
  • Neben umfassenden Informationen über die „Wühltischwelpen-Problematik“ in auffälligen Pop-Up-Fenstern gibt es weiterführende Informationen, Checklisten und wirksame Meldefunktionen – für eBay-Mitarbeiter, aber auch für die Inserenten.
  • Unseriöse Organisationen, die – für private Interessenten nicht zu identifizieren – illegal einführte Tiere ohne Genehmigung und Überprüfung deutscher Veterinärämter anbieten, werden durch ein neues Überprüfungsverfahren ausgefiltert.  In einem nächsten Schritt werden validierte Tierheime- und Organisationen kenntlich gemacht.
  • eBay Kleinanzeigen setzt seit Jahren auf eine enge Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden, Ministerien und Veterinär- und Ordnungsämtern. Es gibt eigens dafür eingerichtete Kontaktadressen und Meldeprozesse.

Doch alle Behörden sind letztlich auf eines angewiesen:
Wenn die „onlinegestützte Kontaktanbahnung“, also das, wofür die Kleinanzeigen einst erfunden wurden, abgeschlossen ist und der eigentliche „Kaufprozess“ anläuft, beginnt damit auch die Verantwortlichkeit der involvierten Parteien: Denn wenn der Interessent den Anbieter in dessen Zuhause aufsucht, kann er doch im Zweifelsfall den Strafverfolgungsbehörden wesentlich belastbareres Identifizierungsmaterial anbieten, als es eine Plattform mit gefälschten Anmeldedaten je könnte.

Es ist also, wie meist im Leben, ob beim Tier-, Natur- oder Umweltschutz: Es fängt bei jedem einzelnen von uns an!

Wer nicht die Augen vor Tierleid verschließt, sich aber auch nicht vom Mitleid zum Kauf verleiten lässt, wer mit Herz, aber auch Sinn und Verstand die Checkliste nicht nur zur Besichtigung mitnimmt, sondern sie auch akribisch abarbeitet und im Fall des Falles den Behörden nicht nur einen Hinweis gibt, sondern sich auch als Zeuge bereitstellt, hat dem Tier und seinem Schutz einen großen Dienst erwiesen.