Legaler Auslandstierschutz: Mission impossible?

Artikel vom 25.Feb 2014 aus der österr. Krone
Obwohl Berichte wie dieser seit Jahren in beinahe regelmäßigen Abständen durch die internationale Presse gehen, fallen immer noch hunderte, wenn nicht tausende wohlmeinende Tierfreunde auf die unseriösen Machenschaften geldgieriger Tierhändler herein. Die Folgen:

  • entt√§uschte Gesichter, wenn das ausgesuchte, „gerettete“ Tier am vereinbarten Termin nicht kommt, weil der Transport von der Polizei gestoppt wurde
  • Tierarzt-, Unterbringungs- und Ausl√∂sekosten, wenn das Tier nach der Beschlagnahme doch noch zum neuen Besitzer soll. Dies kann √ľbrigens nicht nur auf dem Transport, sondern auch noch Tage/Wochen nach Ankunft geschehen, wenn das zust√§ndige Veterin√§ramt Herrchen und Frauchen einen Besuch abstattet und das neue Tier den strengen Auflagen nicht gen√ľgt
  • Bu√ügelder (je nach Bundesland)¬†f√ľr den in den Papieren stehenden Empf√§nger, wenn dort nicht der einf√ľhrende Verein benannt ist
  • mehrere Tage/Wochen im Tierheim f√ľr das „gerettete“ Tier
  • weitere finanzielle Unterst√ľtzung f√ľr kriminelle Kellerz√ľchter, so genannte Puppy Mills, deren Hinterm√§nner/frauen und deren Transporteure
  • Erschwerung der gesetzlichen Bedingungen f√ľr neue, wohlmeinende Tiersch√ľtzer und Organisationen

Worauf sollte man achten, wenn man Tiere aus dem (EU-)Ausland adoptieren will?

Das Wichtigste ist die Wahl der Organisation oder des Vereins. Nur wenn dieser den „gro√üen 11er“, also die „Erlaubnis nach ¬ß 11, Abs. 1, Nr. 5 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) besitzt, darf man davon ausgehen, dass sowohl die Vereinsverantwortlichen, als auch deren Kooperationspartner (Auslands-Orga, Transporteur sowie alle Pflegestellen) von den Beh√∂rden gepr√ľft und als „tauglich“ beurteilt wurden. (ACHTUNG: Diese Pr√ľfung hat nichts mit dem „kleinen 11er“, also der Sachkundepr√ľfung nach ¬ß 11, Absatz 3 des Landeshundegesetzes, LHundG, – auch 40/20-Pr√ľfung genannt – zu tun!) Diese Erlaubnis sollte man sich vorher zeigen lassen. Und so sieht sie in unserem Bezirk aus:

Wenn der Verein dazu noch f√ľr die Anmeldung der Tiere so genannte¬†TRACES¬†(Trade Control and Expert System) verwendet, also daf√ľr zugelassen ist, zeugt dies von besonderem Vertrauen, das das jeweilige erteilende Veterin√§ramt in das verantwortungsvolle Handeln des Vereins setzt. Durch dieses System wird jeder Auslandstransport allen involvierten Parteien und Beh√∂rden in Echtzeit angezeigt und kontrollierbar gemacht. Die gut gemeinten „Flug-Patenschaften“ hingegen sind rein rechtlich gesehen illegale Einfuhren, die den Flug-Paten im worst case etliche tausend Euro f√ľr Nachuntersuchungen, -impfungen (s.u.) und Unterbringung in Tierheim/Pension kosten k√∂nnen.

Eine Eintragung als gemeinn√ľtziger Verein in die Vereinsregisterrolle des zust√§ndigen Amtsgerichtes zeugt davon, dass hier ohne Gewinnerzielung und rein zur Kostendeckung gearbeitet wird. Eintragungen k√∂nnen z.B. beim Handelsregister (siehe auch Linksammlung „Recht und Ordnung“ auf dieser Seite hier) eingesehen werden. Die Bescheinigung der Gemeinn√ľtzigkeit wird dem Verein vom zust√§ndigen Finanzamt f√ľr einen befristeten Zeitraum aus- und zugestellt. Ein Verein ohne Gewinnerzielungsabsicht sollte also einen g√ľltigen Bescheid vorweisen k√∂nnen. Ein Beispiel daf√ľr hier:

Bescheid Gemeinn√ľtzigkeit

Idealerweise l√§sst man sich vor dem Transport noch eine Kopie des ausgef√ľllten EU-Heimtierausweises zukommen, und gleicht die dort vermerkten Impfungen mit den Erfordernissen des jeweiligen Veterin√§ramtes ab. Die Gesetzeslage √§ndert sich oft und l√§nderabh√§ngig, so dass man nicht mehr einheitlich davon ausgehen kann, dass f√ľr eine Einfuhr nach Deutschland lediglich die Tollwut-Impfung (Abschnitt IV. im Ausweis), erforderlich ist.

Apropos Tollwut-Impfung: die letzte darf nicht l√§nger als 12 oder 36 Monate (diese G√ľltigkeitsdauer ist abh√§ngig vom Impfstoff und auch im Pass eingetragen) zur√ľckliegen.¬†Handelt es sich dabei um eine Erstimpfung (und als solche z√§hlt auch eine Wiederholungsimpfung, wenn der G√ľltigkeitszeitraum der letzten Impfung √ľberschritten wurde), muss diese mindestens drei Wochen zur√ľckliegen. Au√üerdem ist die Tollwut-Impfung nur amtlich g√ľltig, wenn das Tier bei deren Verabreichung¬†mindestens 12 Wochen alt¬†war. Zudem muss darauf geachtet werden,¬†dass die¬†Kennzeichnung des Tieres durch einen Transponder-Chip vor der Impfung bzw. zeitgleich¬†erfolgt ist, damit es zum Zeitpunkt der Impfung zweifelsfrei identifizierbar ist.

Durch die Vielzahl an Staupef√§llen in den osteurop√§ischen Staaten kann man nur zu einer f√ľnf- bzw. siebenfachen Impfung raten. Diese umfasst – sachgerecht durchgef√ľhrt – einen umfassenden Schutz gegen Staupe, Hepatitis, Parvovirose, Leptospirose und Parainfluenza (eine Form des Zwingerhustens). Sachgerecht hei√üt im Regelfall: bei Welpen zwischen der f√ľnften und siebten Lebenswoche plus einen weiteren Durchgang vier Wochen sp√§ter. F√ľnf Tage vor der ersten Impfung sollte eine Entwurmung stattfinden, um den Hund parasitenfrei und gesund zu halten. Kommt der Hund aus einer staatlichen T√∂tung oder einem Shelter mit mehr als 20 Hunden, so ist von vielen T√Ą wegen des erh√∂hten Infektionsrisikos eine andere Vorgehensweise empfohlen: 5. Woche Staupe & Parvo, 7. UND 9. Woche 5fach, 12. Woche 5fach & Tollwut. Bei normalem Infektionsdruck reicht die 5fach-Impfung in der achten Woche plus Nachimpfung in der zw√∂lften aus. Zu diesen Angaben sicherheitshalber immer noch einmal den TA und/oder das VetAmt befragen!

Sind alle diese Ma√ünahmen und Impfungen ordnungsgem√§√ü durchgef√ľhrt, muss letztlich noch eine „Bescheinigung der Reisef√§higkeit“ h√∂chstens zwei Tage vor Transportbeginn vom zust√§ndigen Tierarzt im Ausreiseland abgestempelt werden.

Dies alles ist nicht leicht zu pr√ľfen – das VetAmt wird es mithin jedoch tun. Man kann davon ausgehen, dass durch die Versch√§rfungen der Gesetzeslage und die erh√∂hte Aufmerksamkeit durch die Medien der Druck auf die Beh√∂rden weiter ansteigt. Dieser Druck wird sich ab dem 1. August 2014 bei vielen Vereinen und Organisationen bemerkbar gemacht haben, da bis zu diesem Stichtag in der Auslandsarbeit alte Bescheinigungen durch neue Genehmigungen ersetzt werden. In der Hoffnung, dass dadurch zumindest den inl√§ndischen Kooperationspartnern ausl√§ndischer Hundeh√§ndler die Arbeit erschwert wird.

Zum Thema „Adoption aus dem nicht-europ√§ischen Ausland“ ber√§t auch gern das n√§chste Veterin√§ramt

Zum Schluss noch mal das Wichtigste ‚in a nutshell‘:

12 Dinge an denen man einen seriösen Tierschutzverein erkennt

  1. „Saubere“ Tierschutzvereine haben eine/mehrere ¬ß 11 Genehmigungen,
  2. eine Anfrage ans Veterinäramt ergibt keine Sperrvermerke.
  3. Seine Transporte sind im TRACE-System (TRACES) gelistet,
  4. und seine Transporteure & Fahrzeuge haben alle Lizenzen.
  5. Die Übergabe der Tiere findet ausschließlich in gesicherter Umgebung statt
  6. und die Tiere werden ebenfalls doppelt gesichert √ľbergeben.
  7. Der Verein arbeitet mit Pflegestellen,
  8. d.h. er macht keine Direkt-Adoptionen.
  9. Der Verein besteht auf Vor- und Nachkontrollen,
  10. und er bietet eine Trainer-Begleitung an.
  11. gewährleistet Betreuung auch nach der Adoption und
  12. verpflichtet sich vertraglich, das Tier bei Problemen zur√ľckzunehmen.

Thematisch verwandt und mit weiteren wichtigen Tipps versehen ist auch unser Artikel „Worauf sollte man/frau achten, wenn man den Tierschutz unterst√ľtzen will?