Gaia

(c) Alpha STORYTELLING by Kai KapitÀn

Hallo, ich bin Gaia – aber Ihr nennt mich QX3.

Als Dertutnix und Dashaternochnie auf meine Döse-Wiese gerannt kamen, dachte ich zuerst, sie wollten wirklich „nur spielen“ – jedenfalls sagten das die Menschen am Wiesenrand und lachten dabei. Aber als ich wieder wach wurde, fehlten mir jede Menge Federn und aus meinem blutigen FlĂŒgel ragt ein spitzer Knochen!

Vor Schmerzen hĂ€tte ich schreien können, aber das kann ich leider nicht – bin ja „nur“ eine Schneegans…

Gaia FlĂŒgelknochen
Gaia FlĂŒgelknochen

Die Menschen mit den Leinen ĂŒber der Schulter waren mit ihren Fellnasen schon weitergezogen, als ein bĂ€rtiger Mann mich sanft hochhob und in eine Decke wickelte. Er brachte mich zu anderen Menschen, die sich kĂŒmmerten und dann bin ich bei einer ganz weißen Menschin nochmal eingeschlafen. Und diesmal wachte ich ohne Schmerzen wieder auf – aber leider auch ohne meinen FlĂŒgel.

Aber was soll ich mich beklagen: meine Freundin hat die Begegnung mit Dertutnix das Leben gekostet und ihre Kinder waren von jetzt auf gleich alleine – ohne je schwimmen und fliegen gelernt zu haben!

D16 ist tot
D16 ist tot

Und meine Cousine D16 ist von einem dieser stinkenden Rollmonstern gefressen worden, als sie von den freundlich fĂŒtternden Anwohner mit Leckereien ĂŒber die Straße gelockt wurde – weil die Stadt Neuss sich zwar den Touristen gegenĂŒber gern mit uns schmĂŒckt, aber die Absperrungen zu unserem Schutz lieber einspart!

GÀnse-Info am Jröne Meerke in Neuss
GÀnse-Info am Jröne Meerke in Neuss

Und jetzt lebe ich im neuen Federheim von diesen Notpfote-Menschen und kĂŒmmere mich um die vielen verwaisten Kinder meiner toten Freundinnen. Es ist zwar wunderschön hier am Stadtrand zwischen Wiesen und Feldern aber ich wĂŒrde so gern das alles wieder von oben sehen und mit den anderen im Schwarm fliegen, aber das ist nun passĂ©.

DafĂŒr sehe ich auf den drei Feldwegen, die sich vor dem Federheim kreuzen immer wieder diese Menschen mit den Leinen ĂŒber der Schulter und höre, wie sie „Hiiiieer!“ brĂŒllen und fluchen, wenn Tutnix und Hatnochnie mitten in der Brutzeit die Kaninchen, Fasane oder Nachbarskatzen ĂŒber die Felder jagen. Dann bin ich ein bisschen froh und beruhigt, dass es hier hohe ZĂ€une gibt. Und Neusser Menschen, die uns ab und zu Salatköpfe vor das Tor legen.. 🙂

Allen anderen da draußen möchte ich aber eines gern mit auf den Weg geben: Wenn Eure Fellnasen nicht EINHUNDERT PROZENT im Gehorsam stehen, gehört da eine Schnur dran – und das nicht nur zur Brut- und Setz-Zeit!

Brut und Setz Zeit

[Hinweis der Menschen, die sich u.a. um die Opfer wildernder Hunde kĂŒmmern mĂŒssen:
Die Brutzeit ist in NRW in § 52 Abs. 2 Nr. 5 Landesnaturschutzgesetz definiert vom 1. MÀrz bis 31. Juli, andere BundeslÀnder können abweichende Zeiten haben.]

 

Und auf ein Wort – wo wir grad so nett beisammen sind:

Die einzige Kolonie der artgeschĂŒtzten Schneegans in Westeuropa liegt in Neuss und wird von den StadtvĂ€tern schĂ€ndlich sich selbst ĂŒberlassen.
Es ist doch eigentlich etwas, das jeden Tierfreund und jede Stadt freuen sollte: in Neuss hat sich die einzige Kolonie von SchneegĂ€nsen in Westeuropa angesiedelt! Da wĂŒrde man doch eigentlich auch meinen, dass eine Stadt alles tut, um diesen Bestand zu schĂŒtzen.
In Neuss ist dies leider absolut nicht der Fall. In den letzten Jahren hat sich der Bestand drastisch reduziert. Das hat auch einige GrĂŒnde, die eigentlich leicht zu beheben wĂ€ren, wĂŒrde die Stadt Neuss sich kooperativ und Tierwohl-orientiert zeigen.
Es werden dringend Absperrungen benötigt, die die Tiere daran hindern, mit ihren Kindern die viel befahrene Straße zu ĂŒberqueren. DiesbezĂŒglich haben wir die Stadt schon mehrfach kontaktiert. Unsere Emails werden jedoch ignoriert, fernmĂŒndliche Zusagen werden nicht eingehalten und augenscheinlich scheint die Stadt kein sonderliches Interesse daran haben, die Tiere zu schĂŒtzen.
Pokert die Stadt etwa damit, dass der Bestand sich weiter reduziert? Oder wie ist es sonst zu erklĂ€ren, dass Bewohner, die die GĂ€nse fĂŒttern, Bußgelder vom Ordnungsamt bekommen und die Hundehalter, die ihre Hunde unangeleint im Park laufen lassen, nicht? Warum gibt es z.B. fĂŒr ein SchĂŒtzenfest völlig unproblematisch Absperrgitter und fĂŒr den Schutz dieser Tiere nicht?
TierschĂŒtzer nehmen die verwaisten Gössel auf, deren MĂŒtter tot gefahren oder gerissen wurden. In unserem Federheim ist aktuell eine durch eine Hundeattacke schwer verletzte Schneegans untergebracht, die sich nun um die verwaisten Kinder ihrer Artgenossen kĂŒmmert, die noch weniger GlĂŒck hatten und die NachlĂ€ssigkeit der StadtvĂ€ter mit ihrem Leben bezahlten.
Die Stadt interessiert es nicht und beteiligt sich natĂŒrlich auch nicht an den Tierarztkosten – die btw im letzten Monat allein fĂŒr die #Wildpfote bei fast 4.000,- Euro lagen!.
Auf den Fotos seht ihr ĂŒbrigens die Schneegans D16. Sie wurde auf der Straße ĂŒberfahren. FĂŒr Werbezwecke war sie gut genug. Leider war ihr Leben scheinbar nicht wertvoll genug um geschĂŒtzt zu werden…
D16 hatte einen Partner. Und D16 hatte Kinder. Leider hatte D16 keine Chance, da mit ihrem Leben leichtfertig umgegangen wurde!
Über die GĂ€nse
Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz hat sich intensiv mit GĂ€nsen beschĂ€ftigt und erhielt fĂŒr seine Arbeit den Nobelpreis. Er fand heraus, wie Ă€hnlich die GĂ€nse den Menschen sind: sie leben in Familien und haben ein ausgeprĂ€gtes Sozialverhalten. Sie kennen GefĂŒhle wie Liebe, Trauer und Eifersucht. Sie sind fĂŒrsorgliche Eltern, die ihre Kinder mindestens ein Jahr lang fĂŒhren. Einmal das Ja-Wort geschnattert halten GĂ€nse-Ehen ein ganzes GĂ€nseleben lang!

GĂ€nse sind hoch soziale Tiere und Kommunikation spielt eine große Rolle in ihrem Leben. Mama Gans „spricht“ schon mit ihren Kindern, wenn sie noch im Ei sind. Die Gössel – so heißen die GĂ€nsekĂŒken in der Fachsprache – besprechen sich sogar untereinander. Schon kurz vor dem SchlĂŒpfen kann man sie piepsen hören, denn als NestflĂŒchter mĂŒssen sie den Termin der Geburt gut absprechen: alle Vogelbabys mĂŒssen in kurzer Folge zur Welt kommen, damit sie gemeinsam das Nest verlassen und die Welt entdecken können.

Gelegentlich zischen GĂ€nse auch Menschen an. Das tun sie sogar dann, wenn sie nach Futter betteln. Manche Leute deuten dieses Verhalten falsch und fĂŒhlen sich persönlich angegriffen. Warum GĂ€nse Menschen anzischen und dann aber sofort aus der Hand fressen ist mit wenigen Worten schwer zu erklĂ€ren. Auf jeden Fall sind sie nicht aggressiv!

Ein interessantes PhĂ€nomen ist die Bildung von sogenannten KindergĂ€rten: GĂ€nseeltern adoptieren hierbei die Kinder von anderen GĂ€nsen. Man sieht dann ein GĂ€nsepaar mit sehr vielen Kindern – das können 8, 12 oder ĂŒber 20 Gössel sein!

GĂ€nse fressen in erster Linie GrĂ€ser, KrĂ€uter und Wasserpflanzen. Sie haben keine ZĂ€hne und können ihre Nahrung nicht im Schnabel zerkleinern. Diese Funktion ĂŒbernimmt ihr Muskelmagen mit Hilfe von kleinen Steinchen, die Sie ebenfalls mit dem Schnabel aufnehmen. Das gefressene Pflanzenmaterial wird mechanisch extrem verkleinert, zu einem kleinen Teil verdaut und zum grĂ¶ĂŸten Teil (80%) unverdaut als Kotstange wieder fallen gelassen. Mitgebrachter Löwenzahn wird von vielen GĂ€nsen gerne angenommen und ist eine gesunde Alternative zu Toastbrot!

Wenn man sich die HĂ€ufchen der GĂ€nse genau ansieht, stellt man fest: es handelt sich um harmloses, klein gemahlenes Pflanzenmaterial. GĂ€nsekot macht nicht krank und bringt auch keinen See zum Kippen, auch wenn dies in der Presse hĂ€ufig in reißerischer Art falsch dargestellt wird. Warmes Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen. Durch den Klimawandel erwĂ€rmen sich die GewĂ€sser stark und so kann es zu einem Sauerstoffmangel kommen, worunter der Fischbestand leidet.

Und schauen wir beispielhaft, was der Mensch hinterlÀsst:

Zigarettenkippen brauchen ca. 5 Jahre bis sie verrottet sind, Kronkorken zerfallen durch Korrosion, brauchen dafĂŒr aber 80-200 Jahre bis sie „weg“ sind, Plastikflaschen brauchen 500 Jahre, bis sie sich zersetzt haben und Scherben verrotten so gut wie nie, da sie aus Quarzsand sind und somit bis zu 1 Million Jahre halten.

Einige Tiere, die nach 1492 (Entdeckung Amerikas) nach Europa kamen, werden als „Neozoen“ bezeichnet. Wie viele andere Tiere gehört auch die Kanadagans zu unseren NeubĂŒrgern. Dieser Begriff wird gerne verwendet, um die Gans in ein schlechtes Licht zu stellen – aber das ist völliger Unsinn. Sie ist vielmehr eine Bereicherung der heimischen Flora und Fauna.

Eine Bejagung hat noch nie den erhofften Erfolg gebracht und wird es auch in Zukunft nicht. Dies hĂ€tte man sich durchaus von NachbarstĂ€dten wie z.B. DĂŒsseldorf erklĂ€ren lassen können.

Unser Verein hat der Stadt Neuss bereits angeboten, bei Stellung eines JagdausĂŒbungsberechtigten die benötigten Ressourcen fĂŒr die Alternativmaßnahmen zu stellen und zu organisieren. Dennoch hĂ€lt die Stadt an der Bejagung fest! Wenn Ihnen die Tiere auch ans Herz gewachsen sind und Sie sich eine andere Lösung fĂŒr sie wĂŒnschen, lassen Sie dies die Stadt doch wissen und schreiben an den buergermeister@stadt.neuss.de und/oder an uns info@notpfote.de.

Setzen Sie sich zusammen mit uns fĂŒr die Tiere ein, denn

Wildtiere haben keine Stimme – bitte sprechen SIE fĂŒr sie!

#notpfote #rettetdiegans #federheim #gefiedertierheim #neuss #tierschutz #dĂŒsseldorf

Titelbild: (c) Alpha STORYTELLING by Kai KapitÀn

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